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Mai 2008
Liebe Patinnen und
Paten,
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in diesem Rundbrief
wollen wir Sie darüber informieren, wie der Shanthimalai
Research and Development Trust (SRDT) sich im Allgemeinen und
im Besonderen um die medizinische Betreuung der Patenkinder
kümmert. Alle 6 Monate werden die Schüler und Schülerinnen
der Schule von einem Ärzteteam aus der Klinik untersucht.
Wir fragten den indischen Chefarzt
Dr. Samuel bei unserem Besuch im Winter, ob sich in den 8 Jahren
seit Bestehen der regelmäßigen Untersuchungen etwas
am Gesundheitszustand der Kinder verändert hätte.
»Ja, ganz deutlich!«, meint daraufhin Dr. Samuel:
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Alle
Kinder haben inzwischen ein normales Gewicht. Dazu tragen
sicherlich die beiden täglichen Mahlzeiten in der Schule
bei.
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Es gibt keine Symptome von Vitaminmangel mehr.
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Die Hautprobleme, die viele Kinder hatten, gehen zurück.
Das ist ein Indiz für bessere Hygiene in den Familien.
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Mädchen trauen sich inzwischen, persönliche Probleme
anzusprechen. Sie fühlen sich manchmal überfordert,
wenn der Erwartungsdruck der Familie bezüglich guter
Schulleistungen und gleichzeitiger verantwortlicher Mitarbeit
zu Hause sehr groß ist oder wenn sie unter einer trostlosen
familiären Situation leiden.
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An
der Schule gibt es einzelne TBC-Fälle, die aber jeweils
mit einer sechsmonatigen Behandlung geheilt werden können.
Als chronische Krankheiten treten Epilepsie (10 Fälle)
und Asthma auf.
Leider spielt auch
AIDS zunehmend eine Rolle. Es gibt ca. 30 Schüler/innen,
die bereits AIDS-Waisen sind oder bei deren Eltern die Krankheit
ausgebrochen ist. Und einige Kinder sind selbst HIV-positiv.
Diese Familien bedürfen besonderer Unterstützung,
da AIDS in den Dörfernnoch sehr stark tabuisiert wird und
die Kranken und ihre Familien aus der sozialen Gemeinschaft
ausgestoßen werden. Die Beispiele von Tamil Arasan und
von Sarasvati zeigen, wie Patenschaften zur Linderung von Notsituationen
beitragen und Perspektiven für eine bessere Zukunft schaffen
können:
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| Tamil
Arasan ist 8 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in dem kleinen
Dorf Pandittapattu. Die Familie besitzt neben ihrem kleinen Haus
mit drei engen Räumen nur ein Kalb und ein winziges Stück
Land, das sie aber nicht bewirtschaften kann, weil es dort kein
Wasser gibt.
Deshalb arbeiten beide Eltern als Tagelöhner. Die elfjährige
Sountairya besucht die Dorfschule, und ihr jüngerer Bruder
Tamil Arasan wird dank seiner Bildungspatenschaft an der SRM-Schule
unterrichtet.
Im Dezember 2006 geschah etwas Erschreckendes: Der aufgeweckte
und fröhliche Tamil Arasan wurde eines Abends plötzlich
bewusstlos und erwachte lange nicht mehr. Seine entsetzten Eltern
organisierten ein Taxi und fuhren die weite Strecke nach Vellore
zum »Christian Medical College«, dem eine Kinderklinik
angeschlossen ist. Dort wurde der Junge als Notfall behandelt
und in den darauf folgenden Tagen gründlich untersucht. |
Die Familie vor
ihrem Häuschen.
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Schliesslich
diagnostizierten die Ärzte eine Form von Epilepsie; sie verordneten
eine mehrjährige medikamentöse Behandlung sowie monatliche
Kontrolluntersuchungen. Tamil Arasan ging es glücklicherweise
bald wieder gut, aber mit den Kosten für die Taxifahrt, den
Klinikaufenthalt mit Untersuchungen und die Medikamente hätte
sich seine Familie auf unabsehbare Zeit hin hoch verschuldet.
Hier sprang Shanthimalai rettend ein und übernahm die gesamten
Behandlungskosten. Seine Eltern sind zutiefst dankbar für
die umfassende Unterstützung ihres Sohnes. Mittlerweile besucht
der Junge die 3. Klasse. Und wie alle gesunden Kinder liebt er
es, in seiner Freizeit zu spielen. Dank der Medikamente ist sein
Zustand stabil, und er macht gute Lernfortschritte. Jeden Monat
fährt er mit Mutter oder Vater nach Vellore zur Kontrolle. |
Sarasvati wohnt zusammen
mit ihrer Mutter und dem jüngeren Bruder Prasanth im Häuschen
ihrer Grossmutter, denn seit dem Tod von Sarasvatis Vater vor
zehn Jahren ist die Familie so arm, dass sie sich kein eigenes
Haus leisten kann.
Zusammen mit
der Grossmutter pflanzen sie auf einem gepachteten Acker Erdnüsse
und Blumen (für Girlanden) an. Die Hälfte des Ertrags
müssen sie jeweils dem Landbesitzer abgeben. Die 15-jährige
Sarasvati wird seit mehreren Jahren durch eine Bildungspatenschaft
unterstützt. Zur Zeit bereitet sie sich auf die anspruchsvollen
Prüfungen am Ende der 10. Klasse vor. Danach will sie weiterhin
bis zur 12. Klasse die Schule besuchen. Ihr Bruder lernt an
der öffentlichen Schule und konnte mit Unterstützung
des SRDT ein einjähriges »Skill Training «
bei einem Schreiner absolvieren, das heisst, dass der Junge
während den Wochenenden ins Schreinerhandwerk eingeführt
wurde. Nach Abschluss der Schule wird es für Prasanth deshalb
leichter sein, eine Lehrstelle zu finden.
Die beiden jugendlichen Geschwister haben also gute Zukunftsaussichten
– ihre Mutter hingegen gar nicht. Sie arbeitet seit längerer
Zeit als Putzfrau in einem kleinen Hotel. Dort ging sie eine
Beziehung mit einem Koch ein. Dieser verheimlichte ihr, dass
er AIDS hatte; sie erfuhr dies erst kurz vor seinem Tod. Bei
der darauf folgenden Untersuchung bekam sie die furchtbare Gewissheit,
dass er sie mit dem HIV-Virus angesteckt hatte. Die Mutter vertraute
sich Mr. Ravichandran, dem Verantwortlichen für die Bildungspatenschaften
des SRDT, an. Neben der schlimmen Angst um sich selber und ihre
Kinder fürchtete sie sich auch sehr davor, dass die Nachbarn
oder ihr Arbeitgeber von ihrer Krankheit erfahren und sie verstossen
würden.
Mr. Ravichandran konnte die Frau dazu bringen, sich im Gesundheitszentrum
des SRDT behandeln zu lassen. Im Rahmen des Armenfürsorge-Programms
des SRDT wurde ihr zudem eine monatliche Rente von 400 Rupien
(ca. 8.– € ) zugesprochen.
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Schulbildung
bedeutet auch Aufklärung, Bewusstseinsbildung und Aufbau
eines gesunden Selbstwertgefühls!
An der SRM-Schule findet in der 9. und 11. Klasse umfassender
Sexualunterricht statt; für indische Verhältnisse ist
das sehr fortschrittlich. Einem Teil der Jugendlichen wird im
Rahmen des staatlich unterstützten »Red Ribbon Club«
eine spezielle Ausbildung und der Auftrag gegeben, in ihrem sozialen
Umfeld AIDS-Aufklärung zu leisten. Sarasvati wird es –
im Gegensatz zu ihrer Mutter – möglich sein, aus dem
Gefängnis von Armut, Unwissenheit, Abhängigkeit und
Ausbeutung herauszutreten.
Dank einer fundierten Bildung bekommt sie die unschätzbare
Chance, ihr Leben in Eigenständigkeit und Würde selber
zu gestalten.
Am Ende dieses Briefes möchten wir noch ein großes
Anliegen mit Ihnen teilen: Es ist wunderbar, dass Sie sich mit
Ihrer Patenschaft für die Zukunft »Ihres« Patenkindes
einsetzen, und wir verstehen, dass vielen von Ihnen der persönliche
Kontakt am Herzen liegt. Wir nehmen gerne Briefe mit, aber wir
bitten Sie herzlich, kein Geld in die Umschläge
zu stecken, auch nicht kleine Beträge.
Was für uns eine selbstverständliche Geste ist, weckt
dort Erwartungen, die dem Prinzip »Hilfe zur Selbsthilfe«
widersprechen und wird zum Anlass für Konkurrenzdenken und
Missgunst zwischen den Schülern und Familien. Mr. Ravichandran
meinte: »Wir wollen Einheit schaffen, keinen Neid!«
Brieflicher Kontakt mit den Paten spornt die Kinder jedoch an,
selbst Verantwortung zu übernehmen für die eigene Zukunft
im Wissen: Es gibt jemanden, der mir etwas zutraut und mir hilft,
mein Ziel zu erreichen.
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Ein herzliches
Dankeschön Ihnen allen für Ihr Engagement im Namen
aller Patenkinder! Wenn Sie in Ihrem Bekanntenkreis Interessenten
kennen, die gerne ein Kind unterstützen möchten, reichen
Sie doch bitte den Brief weiter.
Viele Grüße
Ihre

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