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  November 2007

Liebe Patinnen und Paten,

Der zweite Rundbrief 2007 soll einer ungewöhnlichen „love story“ gewidmet sein, die Sie sicher alle interessieren wird:

Kalaivani stammt aus einer armen Familie mit 4 Kindern. Der Vater ist Taglöhner, die Mutter seit Jahren gesundheitlich angeschlagen. Kalaivani besuchte die Sri Ramana Maharshi Schule und wurde mit 8 Jahren ins Patenschaftsprogramm aufgenommen.
Sie absolvierte die Schule mit Erfolg und erhielt anschließend einen Studienplatz für Englisch im College in Vellore. Ihr Studium wurde durch eine After-School-Patenschaft ermöglicht.
Sri Ram Guru ist der Älteste von drei Brüdern. Sein Vater ist Heilkundiger in einem kleinen Dorf bei Tiruvannamalai. Sri Ram Guru besuchte unsere Schule ab der 6. Klasse. Nach dem Abitur studierte er 3 Jahre lang Englische Literatur auf dem staatlichen College in Tiruvannamalai und erreichte nach zwei weiteren Jahren in Vellore den Master-Abschluss. Auch Sri Ram Gurus Studium wurde durch eine Ausbildungspatenschaft ermöglicht.
Kalaivani und Sri Ram Guru gingen in dieselbe Klasse und trafen sich später in Vellore auf dem College wieder. Die beiden jungen Leute verliebten sich ineinander. Doch sie mussten ihre Liebe geheim halten; denn von Anfang an war ihnen klar, dass ihre Eltern mit einer Heirat niemals einverstanden sein würden. Kalaivani stammt nämlich aus einer sehr niedrigen Kaste, Sri Ram Guru aus einer höheren, die miteinander traditionell unvereinbar sind. Obwohl das Kastenwesen in Indien seit langem offiziell abgeschafft ist, beeinflussen seine starren Regeln das Leben der Menschen immer noch stark. Und ohne Einwilligung der Eltern wird im ländlichen Südindien nicht geheiratet.
Sri Ram Guru und Kalaivani hatten jedoch während ihrer Schulbildung etwas Neues erlebt und gelernt: An der SRM-Schule sind alle Schülerinnen und Schüler gleichberechtigt. Sie tragen dieselbe Schulkleidung, lernen, essen und spielen gemeinsam. Alle bekommen dieselbe Wertschätzung und Förderung, unabhängig von ihrer Herkunft und den Familienverhältnissen.
Die beiden jungen Menschen begegneten einander in Vellore als zwei weltoffene Studenten mit Herzensbildung und einem gesunden Selbstwertgefühl. Und nach einiger Zeit waren sie fest entschlossen, sich miteinander zu verbinden.
Im April 2005 heiratete das Paar heimlich im Tempel von Tiruvannamalai. Daraufhin kehrten beide in ihre Elternhäuser zurück.
Nach einigen Wochen jedoch entdeckte Kalaivanis Mutter die Heiratsschnur, die jedes Paar im Tempel bei der Hochzeitszeremonie überreicht bekommt. So kam alles ans Licht. Beide Elternpaare waren sehr aufgebracht darüber, wie sich ihre Kinder über alle Konventionen hinweggesetzt hatten und verlangten die augenblickliche Trennung der beiden.
Kalaivani und Sri Ram Guru wandten sich in im November 2007 ihrer Not an die Behörden: Sie seien volljährig und rechtmäßig verheiratet und sie würden nicht zulassen, dass man sie trennt.
Mr. Ravichandran, der die jungen Leute seit ihrer Kinderzeit kannte und begleitete, versuchte bei den Eltern zu vermitteln. Schließlich erreichte er, dass die Eltern der jungen Frau einlenkten und das Paar bei sich aufnahmen.
Erst als Kalaivani schwanger war, akzeptierten auch Sri Ram Gurus Eltern die Situation und seither wohnt die junge Familie bei ihnen im Haus, wie es Tradition ist.Sri Vaishnavi, die kleine Tochter, ist inzwischen fast ein Jahr alt.
Der junge Vater hat eine Stelle als Englischlehrer in einem College in Tiruvannamalai. Kalaivani möchte ihr Studium beenden und später auch als Lehrerin arbeiten. Dafür nimmt sie in Kauf, dreimal wöchentlich mit dem Baby morgens um 5 Uhr mit dem Zug nach Vellore zu fahren und abends um 9 Uhr zurück zu kommen.
Kalaivani und Sri Ram Guru gehören zur ersten Generation unserer Schulabsolventen. Sie sind ein Beispiel dafür, was eine gute Ausbildung, die den ganzen Menschen im Blick hat, zu leisten vermag.Sie haben gelernt, ihr Leben zu gestalten und sich mutig für das, was ihnen wichtig ist, einzusetzen, auch gegen äußere Widerstände und starre Konventionen.
Wir danken Ihnen, liebe Patinnen und Paten. Ihr Engagement ist d i e große Chance für so viele Kinder, ihre Begabungen zu entfalten und dem Teufelskreis von Unwissenheit und Armut zu entkommen.
Wenn Sie sich nach dem Schulabschluss Ihres Patenkindes dafür entscheiden, die Patenschaft für die Berufsausbildung zu verlängern oder ein neues Patenkind zu unterstützen, freuen wir uns sehr und danken Ihnen im Namen der Kinder, die darauf warten, in die Schule aufgenommen zu werden.
Im Dezember werden wir wieder nach Shanthimalai fliegen. Wenn Sie für Ihr Kind einen Brief mitgeben wollen oder eine Spende für ein kleines Geschenk für alle Kinder, bitte ich Sie, mir dies bis zum 15. Dezember zukommen zu lassen.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr.

Ihre